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Veränderte Lehrerrolle PDF Drucken E-Mail

Wir als Lehrerinnen haben im jahrgangsübergreifenden Unterricht viele neue Aufgaben zu erfüllen.

Unsere wesentlichsten Funktionen sehen wir in folgenden Punkten:

  • Anregung der Kinder durch ansprechendes Material und ermutigende Erziehung
  • begleitende Mithilfe bei der Auswahl von Material, Partnern und Lerninhalten
  • Beobachtung, um individuelle Hilfestellung zu gewährleisten
  • Beratung im Hinblick auf Lernzielkontrollen
  • Bereitstellung differenzierter Aufgaben je nach individuellem Lernstand

Natürlich bleiben alle bisherigen Aufgaben wie Bestätigen, Loben, Reflektieren und Rückmelden bestehen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir uns als Kollegium auf den Weg vom Lehrenden zum Lernbegleiter sehen.

 
Förderung des selbstständigen und selbstverantworteten Lernens PDF Drucken E-Mail

Im Rahmen des jahrgangsübergeifenden Unterrichts erhalten freie und offene Unterrichtsformen ein ganz neues Gewicht. Für uns als Kollegium ist es wichtig, die Kinder vom ersten Schultag an mit Arbeitstechniken sowie Arbeits- und Sozialformen vertraut zu machen, die offenen Unterrichtsformen zuträglich sind. Das bedeutet unter anderem, dass wir besonderen Wert auf Partner- und Gruppenarbeit legen. Außerdem sollen sich die Kinder mit unserer Hilfe von Anfang an als für das eigene Lernen verantwortlich empfinden.

Im Rahmen eines Projektes zum Thema „Das Lernen lernen“, das sich besonders mit der Vermittlung eigener Lernkompetenzen befasst, werden jedem Kind altersgerechte Strategien dazu vermittelt.

Die Kinder werden sowohl mit instruktiven und anleitenden Methoden als auch mit öffnenden und offenen Methoden vertraut gemacht. Tagesplan, Wochenplan, Werkstätten und Projekte erfahren eine noch größere Gewichtung. Eine wichtige Aufgabe des Lehrers ist es, die Lernfortschritte und Lernerfolge der Kinder zu dokumentieren und zu kontrollieren. Neben eigenen Lerntagebüchern der Schüler sind dazu auch individualisierte und differenzierte Lernzielkontrollen notwendig. Diese Unterlagen werden als Grundlage für die Elternberatungsgespräche genutzt.

Für die Umsetzung des selbstständigen und selbstverantworteten Lernens mussten spezielle räumliche Ausstattungen geschaffen werden. Zur äußeren Differenzierung wurde ein Gesprächstisch im Klassenraum plaziert, der für Gesprächsrunden, das gemeinsame Frühstück, Erklärungsphasen in Kleingruppen und Stillarbeit (Lern-zielkontrollen etc.) genutzt wird. Der Gesprächstisch stellt den Kernbereich der gemeinsamen Arbeit dar.

 
Konkrete unterrichtliche Umsetzung PDF Drucken E-Mail

Durch unsere Hospitationen in anderen Schulen während unseres Entscheidungsfindungsprozesses haben wir uns entschlossen, unseren Unterricht auf zwei wesentlichen Säulen aufzubauen:

  • Kernunterricht (sachunterrichtlich orientierter Projektunter-richt)
  • Kursunterricht (fächerbezogene Lehrgänge)

Kernunterricht

  • Ziel: Unterricht zur Anbahnung von ganzheitlichem Lernen, vernetztem Denken, arbeitsteiliger Arbeit
  • Anspruch: Organisation/Methoden ermöglichen Arbeit am gemeinsam gewählten strukturierten Thema aus der Lebenswirklichkeit der Kinder („Welterschließung“)
    - Hinführung zu systematischer Arbeitsplanung unter Nutzung der Kompetenzen von Gruppenmitgliedern
  • Rahmen: Von Schülern (mit-)gestaltet; prozessorientiert
  • Grundlagen: Im Kollegium erarbeiteter schulinterner Zweijahresplan aus Themen des Sachunterrichts unter Einbeziehung anderer Lernbereiche; im Kollegium erarbeitete „Projektkisten“ (Materialsammlung mit fertigen Unterrichtsvorschlägen, Arbeitsblättern, Medien)

Kursunterricht

  • Ziel: Unterricht zum Erwerb von Basiskompetenzen in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen
  • Anspruch: Organisation/Methoden ermöglichen jedem Kind individuelles Fortschreiten im Lernprozess hinsichtlich Leistungsniveau, Lernweg, Arbeitstempo
  • Rahmen: strenge Führung, Zielorientierung
  • Grundlagen: Im Kollegium erarbeitete Jahrgangspläne und im Lehrerzimmer Materialsammlungen mit vielfältigen Differenzierungsangeboten

Diese beiden Säulen werden ergänzt durch bekannte Formen der Außendifferenzierung in den einzelnen Jahrgängen. Sie werden zur Erarbeitung eines Lernschritts, zur Lernplanung oder zur Reflektion der Lernwege genutzt.

 
Umsetzung des Konzeptes PDF Drucken E-Mail

Wir starteten im Schuljahr 2004/2005 in beiden Schulgebäuden mit je einem ersten Schuljahr. In diesen ersten Klassen wurden im Laufe des Schuljahres die vom Kollegium gemeinsam verabredeten Arbeitsformen, Regeln und Rituale – besonders der selbstständigen Arbeit – eingeübt und gegebenenfalls modifiziert. Bereits vorhandenes Material wurde in regelmäßigen Arbeitssitzungen des Kollegiums gesichtet und auf seine Eignung überprüft. Gemeinsam wurden und werden themenbezogene „Projektkisten“ entwickelt und erarbeitet, die im Rahmen des leitthemengebundenen Unterrichts eingesetzt werden.

Wir haben uns für einen sukzessiven Prozess der Altersdurchmischung entschieden, der erst mit Beginn des Schuljahres 2007/2008 vollständig vollzogen ist.

Während dieser Zeit werden immer wieder Arbeitsformen und Lernmittel evaluiert und gegebenenfalls modifiziert. Innerhalb dieser Zeit wird der Fortbildungsschwerpunkt auf dem Ausbau förderdiagnostischer Kompetenzen und der Erstellung von Förderplänen liegen.

Vor dem Hintergrund unserer pädagogischen Leitideen ist auch eine Umstrukturierung des Ablaufs des Schultags notwendig. Eine veränderte Rhythmisierung des Schulmorgens war erforderlich. Jeder Tag beginnt mit dem „Offenen Anfang“ um 8.00 Uhr. Bis zur ersten Pause unterrichtet jede Lehrerin in ihrer Stammgruppe. Diese Unterrichtsphase beinhaltet vor allen Dingen Freiarbeit und Wochenplanarbeit. Fach- und Fördergruppen finden im Anschluss daran statt.

Für einen Teil der Klasse wird im Rahmen der OGS der Tagesablauf bis 16.00 Uhr weiter strukturiert.

Unterrichtsprinzipien:

1. Individualisierung und Differenzierung
  • äußere und innere Differenzierung
  • Lerngruppenbildung nach unterschiedlichen Kriterien (z.B. für lehrgangsorientierte Kurse)
2. Selbstgesteuertes Lernen
  • Entwicklung eigener Lernwege und eigener Zeiteinteilung (zum größten Teil in vorbereiteter Lernumgebung).
  • Entwicklung von Selbstständigkeit, Selbstverantwortung und Selbsteinschätzung
3. Angeleitetes Lernen
  • zur Einführung komplexer Lerninhalte
  • Entwicklung effizienter Lernstrategien und Lernkompetenzen
  • Förderung leistungsschwächerer und ängstlich-unsicherer Kinder
4. Selbstgesteuertes und angeleitetes Lernen stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander
  • Lehrer als Anleiter und Lernbegleiter
5. Sozialformen des Lernens
  • Schüler lernen miteinander und voneinander
  • Schüler helfen Schülern und lernen Hilfe anzunehmen
  • Schüler lernen alleine, mit Partner, in Kleingruppen oder in ihrer jahrgangsübergreifenden Stammgruppe sowie in der gesamten Schulgemeinschaft
6. Lernschritte und Lernfortschritte
  • durchgängige Lernstands- und Förderdiagnostik
  • mit Förder- und Entwicklungsplänen für Gruppen und einzelne Schüler
7. Schulalltag
  • Rhythmisierung mit Phasen der Anspannung und Entspannung
  • Abkehr vom 45-Minuten-Takt im Unterrichten
  • Schulklingel nur als Zeichen zum Hofpausenende

Für die Umsetzung der angeführten Unterrichtsprinzipien greifen wir auf eine umfangreiche Methodenkompetenz innerhalb des Kollegiums zurück. Diese Methodenkompetenz ermöglicht es der einzelnen Lehrperson auf unterrichtliche und erzieherische Ansprüche differenziert und flexibel zu reagieren.

 
Zur pädagogischen Begründung der Entscheidungsfindung PDF Drucken E-Mail

Die altersgemischte Gruppe bietet Differenzierungsmöglichkeiten, um schwächeren SchülerInnen ohne Druck Lernanregungen auf ihrem Anspruchsniveau zu geben – und die erforderliche Zeit, die sie benötigen. Sie können ein zusätzliches Jahr in der Lerngruppe verbleiben, ohne den Makel des „Sitzenbleibens“ erleben zu müssen.

Die jüngeren Kinder sehen, was sie noch lernen werden. Lernschwächere ältere SchülerInnen erkennen an den jüngeren Kindern, die jedes Jahr neu dazukommen, die eigenen Fortschritte.

Dies macht es für alle Kinder leichter, sich ihrem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechend zu verhalten, vertrauensvoll weitere Leistungsfortschritte zu erwarten und Leistungsrückstände zu akzeptieren.

Zudem erleben aber auch Kinder mit besonderen Begabungen zusätzlich Anregungen und erhalten die Möglichkeit, sich schneller als „geplant“, Unterrichtsinhalte anzueignen und die Grundschule in vielleicht nur drei Jahren zu durchlaufen. Da sie sich aber an den älteren Kindern und ihren Leistungen messen müssen, wird verhindert, dass sie in eine „Primus-Rolle“ mit den bekannten negativen Auswirkungen fallen.

Zu den großen Fördermöglichkeiten für unterschiedlich begabte Kinder kommt noch ein sozialer Aspekt, der in der Zeit zunehmender Aggression und Gewaltbereitschaft immer wichtiger wird:

Im täglichen Umgang von Großen und Kleinen miteinander kann Toleranz und Achtung gelernt werden. Durch die größere Altersstreuung unter den Kindern entstehen Situationen, in denen bei entsprechender Anleitung ohne Konkurrenzdenken Hilfestellungen gegeben und Hilfe angenommen werden kann.

Immer weniger Kinder haben durch die veränderten Lebensverhältnisse mit vielen und unterschiedlich alten Kindern zu tun - deshalb fehlt vielen die Gelegenheit für entsprechende soziale Erfahrungen.

Die Kindergärten haben sich schon vor vielen Jahren mit der Einrichtung der altersgemischten Gruppen auf diese veränderte Situation eingestellt. Unterricht in jahrgangsgemischten Lerngruppen stellt daher die organische und konsequente Fortsetzung der Kindergartenarbeit dar.

Den Kindern, die häufig in Kleinfamilien aufwachsen, werden so Entwicklungs- und Lernchancen gegeben, die helfen können, die in der heutigen Kindheit eingeschränkten sozialen Erfahrungsmöglichkeiten auszugleichen.

Wir greifen zurück auf die Erfahrungen aus Montessori- und Jenaplanschulen, sowie der von uns besuchten Schulen, die mehr als zwei Jahrgänge mischen, weil bei benachbarten Jahrgängen die Konkurrenzsituation noch zu stark gegeben ist.

Der jährliche Wechsel eines Viertels der Lerngruppe bewirkt, dass keine festen Gruppenstrukturen ausgebildet werden können. Jährlich müssen sich die Kinder ihre Sozialstruktur neu schaffen, wobei aber eine Grundstruktur erhalten bleibt, weil Dreiviertel der Kinder in der Gruppe verbleibt – und nicht die Hälfte, wie bei den Lerngruppen, in denen nur zwei Jahrgänge gemischt werden.

Kindern wird so über die gesamte Grundschulzeit hinweg die wichtige Möglichkeit gegeben, immer wieder andere Rollen innerhalb der Lerngruppe zu übernehmen. Gleichzeitig erfahren sie aber auch die Sicherheit und Kontinuität, die sie benötigen, um Selbstbewusstsein zu entwickeln und ihren Möglichkeiten gemäß lernen zu können.

 
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